Europa

Von antiken Hochkulturen bis zur EU

Europa – Von antiken Hochkulturen bis zur EU (Gesamter Film)

Wir Europäer gehören vielen verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Religionen an. Diese Unterschiede, wie auch unsere Gemeinsamkeiten liegen in der Geschichte begründet. Die Anfänge Europas gehen gemäß vielen Wissenschaftlern auf die Antike und dort besonders auf die Freiheit und Demokratie der Griechen zurück. Andere sehen den Grundstein erst im Mittelalter gelegt. Doch die Besiedlung des Gebietes, das wir heute Europa nennen, begann schon sehr viel früher. Die wesentlichen Epochen unserer europäischen Geschichte sollen erklären, wie Europa zu dem wurde, was es heute ist. 1. Frühe europäische Hochkulturen Klirrende Kälte, drückende Hitze, verheerende Trockenheit und extreme Klimaverschiebungen sind der Auslöser für das Aussterben des Neandertalers, dessen Ausbreitung sich auf Europa und den Nahen Osten beschränkte, genauso wie für den Siegeszug des Homo sapiens, des vernunftbegabten Menschen. Nach dem heutigen Erkenntnisstand hatte die Menschheit ihren Ursprung in Nordostafrika. Es wird angenommen, dass die Feuernutzung als erster Schritt zur Beherrschung der Umwelt und auch die Entwicklung der Sprache dazu führten, dass sich die Menschheit langsam von dort ausgehend ausbreitete. In Europa kam der Homo sapiens vor ca. 40.000 Jahren an. Die frühen Menschen lebten in der Wildnis und waren auf Essbares angewiesen, das die Natur ihnen bot. Sie lebten in Horden, denn nur gemeinsam konnten die Urmenschen damals überleben. Das Jagen und Sammeln war ihre Lebensweise. Sie zogen als Nomaden hinter den Tieren her, lebten in Höhleneingängen, unter Felsvorsprüngen oder später dann in Zelten. Kennzeichen dieser Zeit, der Altsteinzeit, sind grobe Steinwerkzeuge wie der Faustkeil. Nach der letzten Eiszeit wurde es etwa 9.500 v.Chr. wieder wärmer in Mitteleuropa. Die Gletscher schmolzen, das Eis ging zurück, Wälder begannen zu wachsen. Die Tiere, wie das Rentier, wanderten in kalte Regionen oder starben aus, so z. B. das Mammut. Dafür lebten nun Tiere wie das Wildschwein, der Rothirsch oder der Auerochse in den Wäldern. Die Menschen mussten ihre Jagdmethoden ändern. Man jagte mit Harpune, Pfeil und Bogen und benutzte kleine Spitzen aus Feuerstein. Statt den Tieren hinterher zu ziehen, wurden die Menschen zu Beginn der Jungsteinzeit sesshaft. Unsere europäische Zivilisation beginnt im Alten Orient. Von dem Land zwischen Euphrat und Tigris, Mesopotamien, breitete sich die neue Lebensweise nach Europa aus. Die Menschen bauten zwischen den Äckern Häuser aus Flechtwerk, Holz und Lehmziegeln. In den Dörfern lebten mehrere Sippen, die sich gegenseitig halfen. Man begann, die ersten Tiere zu domestizieren, also an die häusliche Umgebung zu gewöhnen. Außerdem bauten die Menschen Getreide an und begannen, für die Vorratshaltung zu töpfern. Während Nord-, Mittel-, West- und Osteuropa in der Bronzezeit kulturell noch vergleichsweise rückständig waren, hatten sich im Raum der Ägäis und des heutigen Griechenland, u. a. dank der geografischen Nähe zum Vorderen Orient, hochentwickelte Kulturen gebildet. Der Ursprung der griechischen Geschichte sowie der europäischen Hochkulturen lag auf der Insel Kreta. So wurden in der Zeit von 2000 bis 1700 v. Chr. beeindruckende Paläste auf Kreta erbaut. Ganz berühmt wurde der Palast von Knossos. Knossos war besonders groß, reich und prächtig. Hellas, wie die Griechen ihr Land nannten, war kein einheitliches Reich. Einzelne Stadtstaaten – griech.: polis, davon abgeleitet: Politik – entwickelten sich unterschiedlich voneinander. Der bedeutendste Stadtstaat war Athen. Im Jahr 594 v.Chr. wurde Solon zum Gesetzgeber mit außerordentlichen Vollmachten ernannt. Er wird oft als erster großer Staatsmann der griechischen und europäischen Geschichte bezeichnet. Seine Reformen ebneten den Anfängen der Demokratie – der Herrschaft des Volkes – in Athen ihren Weg und sind eine wichtige europäische Errungenschaft, die heute überall auf der Welt Verbreitung gefunden hat. Der Einfluss der griechischen Kultur äußert sich allerdings nicht nur auf politischem Gebiet. Aus dem alten Griechenland ist uns unter anderem Folgendes geblieben: wunderbare Sagen über Götter und Helden, Kriege und Abenteuer; prächtige Tempel, Marmorstatuen und ästhetische Töpferarbeiten; die Olympischen Spiele; Lehrer wie Sokrates und Platon, die ihre Mitmenschen lehrten und ermutigten, logisch zu denken; Mathematiker wie Euklid und Pythagoras, die mathematische Gesetze und Regeln entwickelten; und weitere Wissenschaftler wie z. B. Aristoteles, der Tiere und Pflanzen erforschte. Noch heute sind die meisten Ärzte dem „Eid des Hippokrates“ verpflichtet. Hippokrates von Kos lebte von 460 bis 377 v.Chr. Er war der berühmteste Arzt des Altertums und gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft. Alexander III. von Makedonien, den erst die Römer nach seinem Tode als Alexander den Großen bezeichneten, einte die griechischen Staaten, siegte über die mächtigen Perser und schuf ein Großreich, das auf seinem kurzen Höhepunkt bis Ägypten reichte. Die Römer setzten dem Zeitalter des Hellenismus schließlich ein Ende. Rom war am Anfang nur ein Dorf in Italien. Aus den Dörfern auf den sieben Hügeln am Tiber entwickelte sich eine Stadt. Nach der Vertreibung des letzten Königs 510 v. Chr. wurde Rom zur Republik, die als solche fast 500 Jahre überdauerte. Während dieser Zeit erkämpfte sich Rom die Vormacht im Mittelmeerraum. Mit dem Erfolg und dem Aufstieg zur Großmacht gewannen Feldherren, wie Julius Cäsar, an Einfluss. Durch Stimmenkauf wurde die Demokratie in Rom ausgehöhlt und von Militärdiktaturen abgelöst. Die Eroberungspolitik wurde weitergeführt. Das Römische Reich vereinte erstmals weite Teile Europas und war das größte und mächtigste Reich, das es je in Europa gegeben hatte. Es erstreckte sich schließlich von Nordengland bis zur Sahara und vom Atlantik nach Asien. Das riesige Imperium steckte seine Grenzen ab. Der Limes – Grenzwall zu Germanien – mit seinen Wachtürmen war solch ein imposantes Sicherheitssystem. Zuvor, um 9 n. Chr., war das unbeständige, kalte Klima in Germanien den Römern zum Verhängnis geworden. Die fatale Niederlage in der sogenannten Varusschlacht hatte für sie das Ende der Ausbreitung über Germanien markiert. Durch innere Machtkämpfe und Bedrohungen von außen begann das Reich in den folgenden Jahrhunderten zu zerbröckeln. Im Norden bedrohten es die Germanen: Am Rhein fielen die Alemannen ein, an der Donau die Goten. Im Osten formierte sich das neupersische Reich der Sassaniden gegen Rom. Das römische Reich ging unter. Noch heute gilt das römische Recht als Grundlage unserer modernen Rechtsprechung, doch von dem Römern stammt noch Vieles mehr: gute, gerade Straßen, die alle Teile des Reiches verbanden; schöne Häuser mit Innenhöfen und Mosaikböden, Fresken und Statuen Steinbrücken und Aquädukte, um Wasser über große Entfernungen zu transportieren; Rundbögen, die die Bauten stabil und langlebig machten; neue Baumaterialien wie Zement und Beton; neue Waffen wie Katapulte; große Schriftsteller wie Cicero oder der Dichter Virgil; unser Alphabet und die römischen Zahlen; Latein, aus dem sich moderne Sprachen wie Italienisch, Französisch und Spanisch entwickelten. Die kalte und unbeständige Witterung hatte die Lebensbedingungen der Nachbarvölker des Römischen Reiches erheblich beschwert. Als hunnische Reiterscharen aus dem Osten in Mitteleuropa eindrangen, wurde eine Fluchtbewegung der germanischen Völker ausgelöst. Man nennt diese Zeit auch Völkerwanderung. Die Völkerwanderung führte nicht nur zum Untergang des Römischen Reiches, sondern sie veränderte für immer Europa. Das große Römische Reich wurde in West- und Ostrom geteilt, womit der Zerfall Europas in zwei Kulturkreise begann: in den römisch-lateinischen Okzident, das Abendland, und den griechisch-orientalischen Orient, das Morgenland. 2. Das Mittelalter Seinen Ursprung hatte das Christentum in Judäa und Galiläa, dem heutigen Israel. Durch die Verfolgung seitens jüdischer und römischer Behörden kam es zu einer Auswanderungswelle der Christen. Aber um 380 wurde das Christentum sogar zur Staatsreligion des Römischen Reiches erklärt. Mit der Eroberung römischer und somit christlicher Gebiete zur Zeit der Völkerwanderung hatten auch die Germanenstämme das Christentum weitgehend angenommen. Am Ende der Völkerwanderungszeit gelang es dem Merowinger König Chlodwig I., die fränkischen Herrschaftsgebiete in einem Reich, dem mächtigen und großen Frankenreich, zu vereinen. Karl der Große war der erste fränkische König, der zum Kaiser gekrönt wurde. Er wurde zum alleinigen Herrscher über das gesamte Machtgebiet der Franken und somit, neben dem Kaiser des byzantinischen Reiches, zum mächtigsten Mann Europas. Mit extremer Brutalität ging er gegen die Sachsen – das letzte germanische Volk, das noch nicht von den Franken beherrscht wurde –, gegen deren Religion und ihre Kultur vor. Trotzdem gilt Karl der Große als Monument der europäischen Geschichte. Der neugekrönte Kaiser errichtete in seinem Herrschaftsgebiet eine Vielzahl an Klöstern und Pfalzen, die sich zu Zentren von Bildung und Kultur entwickelten. Von besonderer Bedeutung war Aachen, das als Hauptstadt des Karolinger-Reiches diente. Hier ließ Karl die prächtigste und größte seiner zahlreichen Kaiserpfalzen errichten, um mit den Palästen Roms und Konstantinopels zu konkurrieren. Karl der Große entwickelte später durch die Festigung der kirchlichen Struktur, durch Missionierung und Zwangschristianisierung, ein großes christliches Reich, das Frankenreich. Für viele wurde der christliche Glaube zur Hoffnung auf ein besseres Leben in den düsteren Zeiten des dunklen Mittelalters. Die Ausbreitung der Araber ähnelte jener der Germanen. Als die Heimat der Araber unter anhaltender Trockenheit litt, führten sie Feldzüge bis auf die Iberische Halbinsel. Von Nordafrika über die Straße von Gibraltar begann die Eroberung Spaniens durch die Araber. Mit ihnen kam auch der Islam nach Europa. Obwohl sich die Muslime nur an den Peripherien des Kontinents festsetzen konnten, haben sie die Geschichte Europas nachhaltig beeinflusst. Die Verbreitung neuer Kulturpflanzen und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität verschaffte Handel wie Städtewesen Aufschwung und Wohlstand. Das bis dahin in Europa verwendete, teure Pergament wurde durch die Einführung des Papyrus verdrängt und auch die arabischen Wissenschaften konnten sich entfalten, indem sie den Lateinern eine völlig neue Grundlage der Wissenschaft zugänglich machten. Während in Europa Halb-Analphabeten wie Karl der Große regierten, blühten im Reich der Kalifen Wissenschaft und Kunst. Dieser Islam, die maurische Epoche in Hispanien, ist ein Teil der europäischen Geschichte. Córdoba, die glanzvolle Hauptstadt eines unabhängigen Kalifenreiches, war im 10. Jahrhundert die mit weitem Abstand größte Stadt Europas. Die Moschee von Córdoba, der Alcázar von Sevilla und die Alhambra von Granada gehören ebenso untrennbar zum mittelalterlichen Europa wie Ritterburgen oder romanische und gotische Kathedralen. In dem großen Frankenreich lebten ganz unterschiedliche Völker. Das Streben von Karl dem Großen galt der Vereinheitlichung, die nach seinem Tod immer mehr in Vergessenheit geriet. Karl der Große wird oft als Vater Europas bezeichnet und leitete eine Kulturrevolution ein. Vieles hatte aus dieser Zeit seinen Ursprung: Die Einführung einer einheitlichen Währung, Denar, für das gesamte Frankenreich und somit für einen Großteil Europas; eine einheitliche Schrift, die übrigens der Computerschrift „Times New Roman“ sehr nahe kommt; eine nie dagewesene Bildungsoffensive in Verbindung mit Politik und Wissenschaft sowie erstmalig die Ideen zu einer allgemeinen Schulpflicht, die auch Mädchen offen stehen sollte. Die Enkel Karls des Großen einigten sich im Vertrag von Verdun auf eine Teilung des mächtigen Frankenreiches in ein Westfränkisches Reich, ein Mittelreich und ein Ostfränkisches Reich. Von jener Teilung an entfernten sich die Deutschen und Franzosen immer mehr voneinander. Das Hochmittelalter ist die Zeit der Ritter und Burgen, der Kreuzzüge und des Lehnswesens. Im Jahr 1096 begann der erste von insgesamt sieben Kreuzzügen. Anlass für die Kreuzzüge war die islamische Herrschaft über Jerusalem. Aus ganz Westeuropa brachen zweihundert Jahre lang immer wieder Zehntausende von jungen Männern auf, um das Heilige Land für die Christen zurückzuerobern. 88 Jahre blieb Jerusalem dann unter christlicher Herrschaft. Insgesamt fanden bis 1270 sechs weitere Kreuzzüge statt, um die Kreuzfahrerstaaten zu verteidigen. Nach und nach mussten sich die christlichen Eroberer wieder zurückziehen. 1291 fiel Akkon, der letzte Rückzugsort der Kreuzfahrer. Die Kreuzritterorden waren prägend für die Kultur des Rittertums. Ein Ritter erhielt eine Ausbildung an einem Adelshof, wo er als Knappe das Kämpfen mit Schwert und Lanze lernte. Für ihren Fürsten und Lehnsherren mussten die Ritter im Falle eines Krieges in den Kampf ziehen. Aus dieser Zeit blieben uns außerdem erhalten: Kunstwerke, vor allem der Kirchen und Klöster wie Buchmalereien, Skulpturen, Glasmalereien, Reliquiare, Wand- und Deckenmalereien; die romanische Stilepoche, die als erste europäische Kunstepoche bezeichnet werden kann, mit wuchtigen und runden Bauten, mit Rundbögen, Gewölben, Säulen und Pfeilern. Ganz Europa war im Spätmittelalter im Wandel: Das Byzantinische Reich endete 1453 mit der Erstürmung Konstantinopels durch die Osmanen; In Frankreich entwickelte sich ein starkes Königtum. England und Frankreich bekämpften sich über 100 Jahre in vielen Kriegen, in denen die Engländer schließlich unterlagen; In Nord- und Osteuropa bildeten sich gefestigte Königtümer heraus. In Russland und Polen entstanden Großreiche. Große Städte wie Paris, als größte Stadt Europas, und Köln, als größte deutsche Stadt, entwickelten sich, bis die Ausbreitung der Pest, schreckliche Hungersnöte und viele Naturkatastrophen eine jähe Zäsur markierten. 3. Neuzeit Es setzte eine neue Zeit ein, in der sich alte Ordnungen auflösten und die Menschen Altes infrage stellten. Die Gelehrten entdeckten die alten Schriften mit dem Wissen aus der Antike wieder, das in Vergessenheit geraten war. Wohlhabende und gebildete Bürger, so z. B. in Florenz, begannen sich dafür zu interessieren. Häuser nach dem Vorbild römischer Paläste mit Szenen aus griechischen und römischen Sagen wurden errichtet. Italien mit der Renaissance im 14. und 15. Jh. steht als Vorreiter auf dem Weg in die Moderne. Mächtige Kuppelbauten, wie z. B. der Petersdom, liefern uns bis heute Zeugnis von der Einzigartigkeit des damaligen Baustils. Eine verlorene Welt voller Schönheit und Weisheit schien wiedergeboren, deswegen „Renaissance“. Aus ihr gingen hervor: berühmte Maler und Bildhauer wie Michelangelo und Botticelli; faszinierende Erfinder und Künstler wie das Universalgenie Leonardo da Vinci; Wissenschaftler wie Kopernikus und Galileo Galilei, die entdeckten, dass die Erde und andere Planeten sich um die Sonne drehen. Die Reformation ist eine christliche Erneuerungsbewegung, die entscheidend zur Neugestaltung der Kirchen- und Weltordnung in der Frühen Neuzeit beigetragen hat. Zum Auslöser der Reformation wurde Luthers Protest gegen den Ablasshandel, das Freikaufen von begangenen Sünden, den er 1517 in 95 Thesen verbreitete. Dem Reformator kam die Entwicklung der "modernen" Medien zugute: Durch den um 1450 erfundenen Buchdruck mit beweglichen Lettern fanden seine Thesen schnell Verbreitung, ebenso wie seine deutsche Bibel-Übersetzung, die er während seines Aufenthaltes auf der Wartburg schrieb. Durch die Bibelübersetzung legte Luther den Grundstein für eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Nicht nur die Lage der Ritter verschlechterte sich in dieser Zeit, sondern auch die Bauern litten unter großer wirtschaftlicher Not. Sie beriefen sich mit ihren Forderungen auch auf die Lehre Martin Luthers. Seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ verstanden sie politisch und so brach im Süden und in der Mitte Deutschlands 1525 ein großer Bauernkrieg aus. Luther aber wendete sich gegen die Bauern. 1555 wurde die evangelisch-lutherische Konfession im sogenannten Augsburger Religionsfrieden als gleichberechtigt anerkannt. Die Grenzen zwischen der katholischen und evangelischen Konfession wurden festgelegt. Daraus entstanden in ganz Europa weitere Konflikte. Von 1618-1648 währte der Dreißigjährige Krieg, der ursprünglich als europäischer Religionskonflikt begann und nach Friedensschluss mit der Aufteilung des Heiligen Römischen Reiches in ca. 300 Einzelstaaten endete. Im Gegensatz zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation entwickelte sich in Frankreich schon im Mittelalter eine staatliche Ordnung, die auf die zentrale Königsgewalt ausgerichtet war. Daraus entwickelte sich die absolute Monarchie, der Absolutismus. Der Monarch konnte ohne Kontrolle Gesetze erlassen, ohne sich selbst daran zu halten. König Ludwig XIV., der Sonnenkönig, war der bedeutendste Vertreter des höfischen Absolutismus. Alle Staatsgewalt lag in seiner Hand. Ludwigs absoluter Herrschaftsanspruch findet baulich seinen Ausdruck im Schloss Versailles. Allein das Hauptgebäude hat 700 Zimmer. Mit rund zehntausend Einwohnern ist es das größte Schloss Europas. Unter der Regentschaft von Ludwig XIV. wurde Frankreich die vorherrschende Macht in Europa. Wirtschaftlich wandelte Ludwig XIV. Frankreich von einer Landwirtschafts- zu einer Industriegesellschaft. Manufakturen, die Vorstufe zur Fabrik, wurden eingeführt. Die Gewinne daraus flossen in seine Kriegsführung oder wurden von den horrenden Kosten des königlichen Prunkschlosses in Versailles aufgefressen. Die hohen Ausgaben für die Kriegsführung und Prestigebauten besiegelten schließlich den finanziellen Ruin des Landes. Aufständische Bürger stürmten am 14. Juli 1789 das Staatsgefängnis und ein wichtiges Waffenlager beim berühmten „Sturm auf die Bastille“. Dies war der Auftakt zur Französischen Revolution und gleichzeitig das Ende des Absolutismus. Die Französische Revolution umfasste einen Zeitraum von 1789-1799. Inmitten von Anarchie und Willkürherrschaft übernahm Napoleon mit einem Staatsstreich die Macht. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählte der Code civil. Napoleon krönte sich selbst zum Kaiser und herrschte über ein Frankreich, das als fortschrittlicher Staat eine Vormachtstellung in Europa beanspruchte. Er bestach deutsche Fürsten, die sich zum Rheinbund zusammenschlossen und sich vom Deutschen Reich trennten. Nach fast 900 Jahren endete damit das Heilige Römische Reich deutscher Nation. 1812 hatte Napoleon fast ganz Europa unter seine Kontrolle gebracht. Mit dem Russlandfeldzug und der Völkerschlacht bei Leipzig brach das französische Kaiserreich militärisch zusammen. Nach Napoleons endgültiger Niederlage am 18. Juni 1815 in Waterloo wurde Europa auf dem Wiener Kongress 1815 komplett neu geordnet. Frankreich verlor alle seit 1795 eroberten Gebiete. Aber auch andere Länder mussten ihre Grenzen neu ziehen, verloren Gebiete und gewannen Land an anderen Stellen. Ein neues Nationalbewusstsein erstarkte in vielen europäischen Ländern. Russland wurde als Befreier von Napoleonischer Fremdherrschaft nach dessen gescheitertem Russlandfeldzug gefeiert. Doch Russlands Weg zur Großmacht begann bereits 1502, als sich nach 200-jähriger Herrschaft der Mongolen das Fürstentum Moskau allmählich zu einem Großreich ausdehnte. Die Fürsten Russlands nannten sich Zaren, also Nachfolger der Cäsaren. Das Fürstentum Moskau nannte sich seit dem 16. Jh. Russland. Zar Iwan IV., der Schreckliche, festigte seine unkontrollierte politische Macht gegen den Widerstand der Bojaren auf grausame Weise. Peter der Große öffnete sein Land nach Westen. Er förderte Handelsbeziehungen und den Zuzug von Handwerkern, Künstlern und Gelehrten aus Westeuropa. Er vollzog den entscheidenden Wandel von einer regional bedeutsamen Macht zu einem Staat von europäischer Geltung. 1703 gründete er Sankt Petersburg im Nordwesten und etablierte es 1712 als neue Hauptstadt seines Reiches. Russland löste das Zarenreich Schweden als dominante Macht in Nordeuropa ab und war neben Frankreich, Österreich und Großbritannien zur vierten Großmacht Europas aufgestiegen. Die industrielle Revolution begann Mitte des 18. Jh. in England. Erst ein halbes Jahrhundert später erreichte sie auch das europäische Festland. Begünstigt wurde diese Entwicklung der Industrie in England u. a. durch die reichhaltigen Kohlevorkommen für den zunehmenden Energiebedarf, den rasanten Bevölkerungsanstieg und damit zunehmendes Potential an Arbeitskräften, die vielen Kolonien und damit verbunden die Ausweitung des Handels und günstigen Investitionsbedingungen für Kaufleute und die Aufhebung des Zunftzwanges zugunsten der Gewerbefreiheit. So ließen denn auch die ersten Entdeckungen und technischen Weiterentwicklungen nicht lange auf sich warten: Nach diesem Vorbild entwickelte sich auch auf dem europäischen Festland die industrielle Produktion rasant und brachte weitere Entdeckungen und Erfindungen mit sich: Doch der wirtschaftliche Fortschritt war nicht mit sozialem Fortschritt verbunden. Menschenunwürdige Zustände, katastrophale Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und niedrige Löhne ließen Karl Marx und Friedrich Engels die Verelendung der Massen in ihrem Werk „Das Kommunistische Manifest“ ideologisch bearbeiten. 4. Neueste Geschichte Die Balkankrise war der Grund für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers in Sarajewo am 28. Juni 1914 versagten alle diplomatischen Bemühungen um eine Konfliktlösung aufgrund des unversöhnlichen Machtstrebens der europäischen Großmächte. Ab August 1914 befanden sich die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn im Krieg gegen die verbündeten Staaten Frankreich, Großbritannien und Russland. Krieg herrschte auf den Schlachtfeldern in Europa, den Kolonien in Afrika, im Nahen Osten sowie auf hoher See und an der "Heimatfront". Fast 70 Millionen Menschen standen für 40 Nationen unter Waffen. Der Erste Weltkrieg endete im November 1918 mit der militärischen Niederlage Deutschlands und seines Bündnispartners Österreich-Ungarn. Das alte Europa zerbrach. Der Versailler Vertrag als Diktatfrieden veränderte die Landkarte Europas grundlegend und prägte das 20. Jahrhundert. Der Krieg selbst kostete 20 Millionen Menschen das Leben und war für Europa der Auftakt des noch mörderischeren, Zweiten Weltkriegs. Der Zusammenbruch der New-Yorker Börse und die daraus resultierende Weltwirtschaftskrise 1929-32 bildete die Grundlage für eine politische Krise in Deutschland, welche die NSDAP begünstigte. Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 und der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur löste Hitler mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg aus. Danach marschierten die deutschen Soldaten in Belgien, der Niederlande und Frankreich ein. Schließlich führte Deutschland mit fast allen europäischen Ländern Krieg. Zuerst schienen die Deutschen überall zu siegen. Erst nach drei Jahren erlitten ihre Truppen zunehmend schwere Niederlagen im Kampf gegen die Sowjetunion, der nach dem Ende des Russischen Reiches gegründeten Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Die entscheidende Kriegswende markierte die Schlacht um Stalingrad. In der Folge geriet die deutsche Wehrmacht an allen Fronten in der Defensive. Nach fünf Jahren war die Lage aussichtslos für die Deutschen. Zu diesem Zeitpunkt waren große Teile Europas zerstört. Im Mai 1945 war der Krieg in Europa zu Ende. Auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 wurde das Deutsche Reich von den künftigen Siegern, der Sowjetunion, den USA und Großbritannien, in Besatzungszonen aufgeteilt. Der Zweite Weltkrieg wirkte sich auch auf die Weltpolitik aus. Europa verlor nun endgültig seine Vormachtstellung in der Welt, und zwar an die beiden neuen Weltmächte USA und UdSSR. Die unüberbrückbaren Differenzen zwischen den USA und der UdSSR führten schließlich zur Aufspaltung Deutschlands und Europas und im Rahmen des Kalten Krieges zur Bildung zweier Blöcke. Trotz der Spaltung Europas blieb im Westen der Europagedanke. Ab 1950 begann die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die Länder Europas wirtschaftlich und politisch zu vereinen, um einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten. Die Gründungsmitglieder waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Aus der EGKS entstand die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG, später die Europäische Gemeinschaft, EG. Heute ist die Europäische Union oder kurz EU ein Staatenbund mit 28 Mitgliedsstaaten. Im Verlauf der Geschichte gab es in Europa mehrfach große einheitlich regierte Territorien: das Hl. Römische Reich deutscher Nation, das Frankenreich unter Karl dem Großen, das Heilige Römische Reich und das von Napoleon beherrschte Europa. Meist wurde eine Nation von einer anderen Macht gewaltsam unterworfen. Mit der Idee eines geeinten Europas sollten die nationalen Rivalitäten beendet werden. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell sind wir Länder Europas miteinander verzahnt. Doch durch die Wahrung der Eigenständigkeit der unterschiedlichen Länder mit ihren vielfältigen Traditionen verfügen wir über eine große europäische Vielfalt, die Europa noch viel bunter macht. Europas Vielfalt ist auch seine Bürde, das zeigen die Eurokrise, die Überschuldung der meisten nationalen Haushalte sowie die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik. Unsere europäische Geschichte zeigt auch, dass unsere Vorfahren alle Migranten waren. Um die kulturübergreifenden Besonderheiten besser zu verstehen und um Vorurteile abbauen zu können, muss man die Geschichte und die Kultur Europas kennen, denn „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“, äußerte schon Wilhelm von Humboldt um 1789.